Fake News streuen Vorurteile und Hass. Bei Mimikama können fragwürdige Inhalte geprüft lassen werden.

Fakten verdrehen, Nachrichten aufbauschen, entscheidende Details auslassen oder schlicht lügen: Mit sogenannten Fake-News versuchen Hetzer, gezielt Stimmung zu machen und das Diskussionsklima zu vergiften – traurigerweise mit Erfolg.

Zuletzt machte ein Video die Runde, das angeblich Horden von Muslimen bei der Zerstörung eines Weihnachtsbaums zeigte. Tatsächlich stammte die Aufnahme aber aus Ägypten und zeigte einen traditionellen Brauch koptischer Christen.

Das Problem bei solchen „Nachrichten“ sind nicht nur die Absender der teilweise bizarren Falschmeldungen, sondern auch leichtgläubige Leser, die den Hetzbotschaften Glauben schenken und sie immer weiter verbreiten.

Winterfest statt Weihnachtsmarkt?

Das Problem ist allerdings nicht neu: Bereits 2013 fürchtete man in Berlin den Untergang des Abendlandes, denn angeblich sollten dort zwangsweise alle Weihnachtsmärkte in „Winterfest“ umbenannt werden – eine Welle der Empörung schwappte durchs Land. Damals stammte die Meldung aus konservativen Kreisen und beruhte auf einem Missverständnis: Eigentlich war es nur in einem Antrag der muslimischen Gemeinde um die Anmeldung eines Straßenfestes gegangen, dabei fiel der Begriff „Winterfest“. In entsprechenden Kreisen hatte man die Story aber schon genutzt, um Verunsicherte gegen Muslime anzustacheln.

Igel in Gefahr?

Gerade in der Flüchtlingsdebatte laufen die Fake-News-Verfasser zur Hochform auf: In Karlsruhe wurde im Herbst dieses Jahres via Facebook vor den Essgewohnheiten der Geflüchteten gewarnt, da diese es angeblich auf Schwäne, Igel und Katzen abgesehen hätten. Mit feinster „Ich bin ja kein Nazi, aber…“-Rhetorik gaben die Verfasser damals vor, sich für den Tierschutz stark zu machen, verbreitete aber nur Vorurteile – denn der Polizei waren keine derartigen Fälle bekannt.

Aus für den Weihnachtsbaum?

Ein jüngeres Beispiel für die Falschmeldungen stammt aus Düsseldorf, wo zweifelhafte Nachrichtenportale den Grünen vorwarfen, den Weihnachtsbaum abschaffen zu wollen. Die Grünen hätten das Aufstellen einer Tanne „im Hinblick auf die andersgläubigen Flüchtlinge“ für völlig unzeitgemäßes Ritual gehalten.

Skandal, sie wollen uns Weihnachten nehmen! Blöd nur: Die Aussage bezog sich darauf, dass ein heimischer, verwurzelter Christbaum mehr Sinn für öffentliche Plätze ergäbe, als eine importierte Tanne aus Norwegen. Der Bezug zu Flüchtlingen war frei erfunden, die Aussage so nie getroffen worden!

Über so plumpe Naivität könnte man glatt schmunzeln, wären die Folgen für das gesellschaftliche Klima weniger fatal. Ein kleiner Trost ist dabei, dass Fake-News kein deutsches Problem sind: Am gestrigen Sonntag stürmte in den USA sogar ein Bewaffneter eine Pizzeria und schoss wild um sich. Und das alles nur wegen einer Falschmeldung über Hillary Clinton, die das Trump-Lager im Wahlkampf in Umlauf gebracht hatte.

Anti-Weihnacht, wohin man schaut

Die empfindlichen Themen sind dabei erstaunlich ähnlich. Gerade kursierte in Schweden das Gerücht, man wolle Weihnachtsbeleuchtung wegen der muslimischen Flüchtlinge verbieten. Natürlich schlug auch diese „Weihnachts-Attacke“ hohe Wellen, allerdings hat die Vorgabe andere Gründe. Tatsächlich ist es so, dass die Laternen der Kommunen nicht für Extra-Gewicht durch Weihnachtsschmuck ausgelegt sind und damit ein Risiko darstellen.

Prügel wegen blauer Augen?

Besonders dreist: Im Netz kursierte die Meldung, dass ein schwedischer Junge von einem geflüchteten Araber brutal verprügelt worden sei, Anlass wären seine blauen Augen gewesen. Schade für die Hetzer, dass das angebliche Beweisfoto des verletzten Jungen ein vierjähriges Mädchen zeigt, dass im Jahr 2008 von einem Rottweiler angefallen worden war.

Syrer retten NPD-Mann?

Doch auch auf der anderen Seite werden Fehler gemacht: Im März 2016 feierten deutsche Medien zwei Syrer als Helden, die angeblich einen verunfallten NPD-Politiker gerettet hatten. Allerdings hat die Geschichte einen Haken, denn sie hat so nie stattgefunden. Der NPD-Mann hatte zwar wirklich einen Unfall gehabt, Ersthelfer waren aber vor allem zwei Busfahrer, die zufällig vorbei gefahren waren. Die geflüchteten Syrer saßen zwar im Bus, kamen aber erst später hinzu.

Als Leser die Orientierung zu behalten, bleibt also schwer. Dass mal eine Falschmeldung die Runde macht, kann passieren. Gefährlich wird es erst, wenn Nachrichten gezielt erlogen und gestreut werden. Aber auch hier gibt es Hoffnung: Bei der österreichischen Initiative Mimikama werden derartige Meldungen geprüft, jeder kann „Fakes“ melden.

Quelle: https://www.mopo.de/

( 2.360 )

Schreibe einen Kommentar