Gegenderte Bibel Tassilo Wallentin antwortet Kardinal Schönborn

Die neue Einheitsübersetzung der Bibel wurde gegendert! Das ist nicht nur mir aufgefallen, sondern auch zahlreichen internationalen Zeitungen, die meine Kritik teilen. Hier einige Schlagzeilen: „Genderwahn nun auch in der Bibel“, „Katholiken streichen Adam aus der Bibel“, „Irrer Gender-Streit um Bibel-Neuübersetzung“.

Wie ich völlig richtig in meiner Kolumne „Offen gesagt“ vom 24.12.2017 geschrieben habe, findet die Schlüsselszene – der Sündenfall mit Apfel und Schlange – nunmehr ohne Mann statt. In der „neuen Version“ ruft Gott nicht mehr nach „Adam“, sondern geschlechtsneutral nach „dem Menschen“. Wörtlich heißt es: Der Mensch und seine Frau (Eva). Ist Eva etwa kein Mensch mehr? In der „neuen Version“ wird aus dem „Junias“ auch plötzlich eine „Junia“, die – wie Kardinal Schönborn selbst schreibt – eine Apostelin ist. Und an zahlreichen Stellen ist nicht mehr von „Söhnen“, sondern etwa von „Kindern“ die Rede.

Kardinal Schönborn meint, die Bibel sei so „richtiger und verständlicher“ übersetzt (als die letzten zweitausend Jahre). Dem schließe ich mich nicht an. Hier ein Zitat, das stellvertretend für viele steht. Es stammt von Niklaus Herzog, dem ehemaligen Präsidenten der Zürcher Ethikkommission und Mitglied des kirchlichen Gerichtes der Schweizer Bischofskonferenz: „Das ist ein unheiliger Angriff auf die Heilige Schrift. Das ist Gendergaga hoch zwei! … Dies gilt auch für den Versuch, im Nachhinein der Bibel noch sogenannte Apostelinnen unterzujubeln … In dieser Bibel ist die Frau gar nicht mehr Mensch, das ist absurd.“

Hätte sich das Christentum schon zur Zeit seiner Entstehung dem „jeweiligen Zeitgeist angepasst“, so hätte die Kirche wohl das erste Jahrhundert nicht überlebt.

Tassilo Wallentin, Kronen Zeitung

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