„Kümmerer“ für Flüchtlinge und normale Wohnungen statt Sammelunterkünften

Für das Konzept der sauerländischen Kleinstadt Altena – unter dem Motto: „Vom Flüchtling zum Altenaer Mitbürger“ – wurde die Kommune im Mai mit dem erstmals vergebenen Nationalen Integrationspreis ausgezeichnet.

Die sauerländische Kleinstadt Altena gilt als Vorzeigekommune im Bemühen um die Integration von Flüchtlingen.

Für ihr Konzept unter dem Motto „Vom Flüchtling zum Altenaer Mitbürger“ wurde die Kommune im Mai mit dem erstmals vergebenen Nationalen Integrationspreis ausgezeichnet. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) übergab den Preis an Bürgermeister Andreas Hollstein (CDU), der nun bei einem womöglich politisch motivierten Messerangriff verletzt wurde.

Eine Jury unter Leitung des ehemaligen Chefs des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, Frank-Jürgen Weise, hatte Altena aus 33 Vorschlägen ausgewählt. Ein Kernpunkt des Konzepts der gut 17.000 Einwohner zählenden Stadt ist die Unterbringung von Flüchtlingen in eigenen Wohnungen mit Nachbarschaftskontakt statt anonymer Sammelunterkünfte. Zudem steht jeder Flüchtlingsfamilie ein eigener „Kümmerer“ zur Seite.

Siehe: Messerattacke auf Altenas Bürgermeister in Döner-Laden – „In NRW ist kein Platz für Hass und Gewalt“

Das Konzept der Kleinstadt umfasst grundsätzlich eine enge Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen, die dazu verschiedene Instrumente einsetzen. Dazu zählen etwa die Sprachvermittlung mit Hilfe ehrenamtlicher Sprachlehrer, eine Kleiderkammer, ein monatliches Café International oder ein Begegnungszentrum.

Für Schlagzeilen sorgte die Stadt aber bereits im Oktober 2015, weil sie damals auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise freiwillig 102 Menschen mehr aufnahm als die ihr ohnehin bereits zugewiesenen 270 Menschen.

Altena verfolgte dabei durchaus eigennützige Ziele: Weil keine westdeutsche Stadt zuvor so schnell geschrumpft war, sollten Flüchtlinge ins Sauerland kommen, die auch dauerhaft bleiben dürfen. Tatsächlich stieg die Bevölkerungszahl 2015 erstmals nach einem mehr als 20 Jahre dauernden Rückgang wieder leicht an.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wollte die Stadt in der vergangenen Woche bei einem Antrittsbesuch in Nordrhein-Westfalen besuchen und sich dabei mit Flüchtlingsfamilien treffen. Der Besuch wurde wegen der kurz zuvor gescheiterten Sondierungsgespräche über eine Jamaika-Koalition abgesagt.

Doch in Altena gab es 2015 auch einen Brandanschlag gegen eine von Flüchtlingen bewohnte Wohnung. Bürgermeister Hollstein soll zudem zum Teil massiv beschimpft worden sein. Auch bei der Messerattacke auf ihn wird ein Zusammenhang mit der Flüchtlingspolitik der Stadt vermutet.

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