Musikvideo zu sexy Ägyptische Sängerin muss zwei Jahre in Haft

 

Ägyptens Justiz geht weiter mit großer Härte gegen vermutete moralische Verfehlungen in Kultur und Medien vor. Ein Gericht in Kairo verhängte am Dienstag eine zweijährige Haftstrafe gegen jene Popsängerin, die im November mit einem Musikvideo – sie zeigte sich darin lasziv in Unterwäsche – für Aufregung gesorgt hatte. Zudem muss sie rund 500 Euro Strafe zahlen.

Der Richter sah es als erwiesen an, dass Shyma mit dem Video „zur Unzucht angestiftet“ habe. Der Regisseur erhielt dieselbe Strafe. Das Urteil kann angefochten werden.

Die vorher kaum bekannte Sängerin ist in dem Video in einem Klassenraum dabei zu sehen, wie sie an einem Apfel leckt und mit einer Banane offenbar Fellatio imitiert. Auf der Tafel stand „Abschlussklasse #69“ und die Buchstaben „vag“.

Die Polizei nahm sie Mitte November fest. Kurz vor der Festnahme hatte sich die Sängerin auf Facebook bei allen entschuldigt, die das Video „als unangebracht empfunden“ hätten.

Fernsehmoderatorin zu drei Jahren verurteilt
Unter Präsident Abdel Fattah al-Sisi gehen die Behörden derzeit besonders hart gegen Künstler vor, die in ihren Augen gegen Moralgesetze verstoßen. Erst vor wenigen Wochen war die Fernsehmoderatorin Doaa Salah zu drei Jahren im Gefängnis verurteilt worden, weil sie in ihrer Sendung über außereheliche Schwangerschaften gesprochen hatte. Ihr wurde ein „Verstoß gegen öffentliche Sitten“ vorgeworfen.

Konzertbesucher verhaftet
Kurz zuvor hatten Polizisten mehrere Besucher eines Konzerts der bekannten libanesischen Popgruppe „Mashrou‘ Leila“ in Kairo verhaftet, nachdem sie dort die Regenbogenflagge geschwenkt hatten. „Mashrou‘ Leila“, derzeit eine der erfolgreichsten arabischen Popgruppen, setzt sich für die Rechte von Homosexuellen ein.

Shyma

18. November 2017  Akt: 18.11.2017

Ägyptische Sängerin wegen sexy Video in Haft

Das Video zu ihrem Song „I Have Issues“ dürfte einigen Landsleuten zu heiß gewesen sein. Es gab Beschwerden, die junge Frau wurde verhaftet.

Polizisten haben am Samstag die Popsängerin Shyma festgenommen. Im beanstandeten Musikvideo leckt sie an einem Apfel und imitiert mit einer Bananae Oralverkehr. Auf einer Schultafel, die im Hintergrund zu sehen ist, stehen die Wörter „Vag“ sowie „Abschlussklasse 69“.

Begründet wird das Vorgehen der Polizei damit, dass das Video ihres Liedes „I Have Issues“ zu Beschwerden geführt hat. Shyma stehe im Verdacht, damit „Ausschweifungen“ provoziert zu haben. Ob ihr auch offiziell eine Angeklage droht, sthet noch nicht fest.

Sängerin entschuldigte sich
Zuvor hatte noch kaum jemand von der Sängerin gehört. Bereits am Donnerstag hatte sich Shyma zu den Vorwürfen auf Facebook geäußert. Sie entschuldigte sich bei allen, die das Video „als unangebracht empfunden haben“ und erklärte, von derartigen Reaktionen überrascht gewesen zu sein.

Al-Sisi ist Hardliner
Unter Präsident Abdel Fattah al-Sisi gehen die ägyptischen Behörden in letzter Zeit sehr hart gegen Künstler vor, die in ihren Augen die öffentliche Moralgesetze gefährden. Erst vor wenigen Wochen war die Fernsehmoderatorin Doaa Salah zu drei Jahren im Gefängnis verurteilt worden, weil sie in ihrer Sendung über außereheliche Schwangerschaften gesprochen hatte. Ihr wurde ein „Verstoß gegen öffentliche Sitten“ vorgeworfen. Damit sollen offenbar gesellschaftsliberale Vorstellungen unterbunden werden.

Sexy und slawisches Blut „Wir Slawen“ Polen

Ein Rapvideo des polnischen Produzenten Donatan zeigt grell geschminkte Landfrauen mit Dekolleté, wackelnde Babuschkas und jede Menge Milch. Der Clip „Wir Slawen“ Polen.

Spaß oder Ernst? Der polnische Musikproduzent Donatan (bürgerlicher Name: Witold Czamara) hat einen provozierenden Rap-Musikclip vorgelegt, an dem sich die Geister scheiden, dessen Erfolg jedoch unbedingt ernst zu nehmen ist. Binnen weniger Wochen wurde der Clip auf Youtube mehr als 30 Millionen mal aufgerufen. Das kurze Stück heißt „My Słowianie“ (Wir Slawen).

Ein panslawistischer kultureller Weckruf? Zu Beginn sehen wir, wie ein junger Mann – Donatan – in einer Bauernkate aus seinem Federbett kriecht, gefolgt von zwei jungen Frauen, die in demselben Bett schliefen. Dann geht es rund: Draußen auf dem Hof tanzt auf hohen Hacken eine aufreizende Polin, umringt von weiteren Landfrauen in Tracht. Grell geschminkte Bäuerinnen mit tiefen Dekolletés lassen sich weiße Flüssigkeit über das Gesicht rinnen

Die Mädels stampfen in ihren Butterfässern Rahm, denken dabei aber, wie die lasziven Blicke verraten, an etwas ganz anderes. Hin und wieder kommt eine schunkelnde alte Babuschka mit Kopftuch ins Blickfeld und, natürlich, Donatan selbst: mit dunkler Brille, die, wie auch der quietschende Gesang der Mädchen, irgendwie an den Rapper Psy und seinen Gangnam Style erinnern. Der Rest könnte aus dem deutschen Jungbauernkalender stammen.

Bauernquark und Wodka

Ziemlich sexistisch, möchte man kulturkonservativ sagen. Andererseits ein gewagtes Spiel mit Klischees: Dass polnische Frauen überdurchschnittlich schön seien, dieser Topos taucht seit Heinrich Heines Reisebericht „Über Polen“ immer wieder auf. Der Liedtext im Video setzt den Topos in Bezug zu den Tugenden Bodenständigkeit und Heimatverbundenheit.

„Wir Slawen wissen, wie das Unsere auf uns wirkt“, heißt es dort, und die Antwort der Frauen: „Wir Slawinnen wissen, wie man Körpersprache spricht“. Bauernquark und Wodka als Lebensgrundlage „sind besser als Whisky und Gin“. Kurz und gut: Das heiße slawische Blut bringt „Schönheit und Anmut“.

Auf dem T-Shirt der Protagonistin steht programmatisch: „Don’t forget where you come from“. Gegen den Minderwertigkeitskomplex der „Ossis“ Europas setzt das Video trotzig den Stolz auf die eigene Herkunft. Dass hier die Hähne krähen und das Dach mit Reet gedeckt ist, muss man nicht mehr verstecken. Vor vierzig Jahren sang Vicky Leandros noch „Theo, wir fahrn nach Lodsch“, wo es heißt: „Ich habe diese Landluft satt“. So ändern sich die Zeiten..
Aha, Panslawismus!

Aber warum, um Himmels Willen, singt Donatan bei alledem nicht von Polen, sondern von Slawen? In der vor allem in Polens Internetmedien geführten Debatte über das Video wurde diese Frage mehrfach gestellt. Die Hüter der Tradition wühlten in der Vergangenheit des Musikers und ermittelten, er habe prägende Jahre seiner Kindheit in Russland verbracht.

Aha, Panslawismus! Außerdem sei die Betonung des Slawentums im Kontext neuheidnischer Strömungen zu sehen, wie sie auch in Polen auftreten. Besonnenere Stimmen wiesen darauf hin, dass die Betonung slawischer Familienbande in Polen (ähnlich wie die Berufung auf germanische „Vorfahren“ in Deutschland) heute sehr unpopulär sei. Spätestens seit der Zwangsbruderschaft zu Sowjetzeiten ist die im 19. Jahrhundert propagierte Einheit der Slawen gründlich kompromittiert.

Fazit der Debatte: Die Polen sehen sich heute vor allem als Europäer. Und was die Frauen angeht, da hatte nun mal Heinrich Heine recht.

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