Seehofer weg: CSU legt zu auf 40 % „Schulz-Effekt“ – wann geht Merkel: CSU und CDU zwangsehe bis zum Suizid oder bis zum Tot

„Stark sind CDU und CSU besonders immer dann, wenn sie einig sind“, sagte CDU-Chefin Merkel auf dem CSU-Parteitag.

Sie sicherte der CSU zudem die Unterstützung der CDU bei der bayerischen Landtagswahl im kommenden Jahr zu.

CSU und CDU zwangsehe bis zum Suizid oder bis zum Tot

CSU veranstaltet Harmonie-Festspiele für Merkel

  • Die Inszenierung funktioniert: Auf dem CSU-Parteitag in Nürnberg herrscht Harmonie.
  • Ein Mini-Machtkampf um die fünf CSU-Vizeposten ist abgewendet: Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt hat seine Kandidatur zurückgezogen.
  • Am Samstag soll Horst Seehofer als Parteichef wiedergewählt werden. Außerdem müssen die CSU-Delegierten über etwa 200 Anträge entscheiden.

Der Sturm der Liebe tobt in der CSU. „Lieber Horst, wir sind bekannt dafür, dass wir es uns nicht immer einfach gemacht haben in unserem Leben“, sagt Angela Merkel auf der Bühne der Nürnberger Messehalle. Die Bundeskanzlerin spricht auf dem Parteitag der CSU. Ein Auftritt, der mit Spannung erwartet worden war – und nun fast die Emotionen der Delegierten überschwappen lässt. Ganz anders als vor zwei Jahren. Damals musste sich Merkel 13 Minuten lang von Horst Seehofer demütigen und für ihre Flüchtlingspolitik maßregeln lassen. Die anschließende Eiszeit zwischen den beiden Parteichefs dauerte bis vor kurzem an. Heute witzeln sie auf der Bühne darüber.

„Ob Sie es glauben oder nicht, ich freue mich wirklich heute wieder bei Ihnen beim CSU-Parteitag zu sein“, sagt Merkel zur Begrüßung. Eine halbe Stunde lang redet sie vor den CSU-Vertretern und spricht dabei viele Themen an, die den Delegierten gut gefallen dürften. Klare Regeln in der Flüchtlingspolitik, Förderung der Wirtschaft, Unterstützung für Familien und immer wieder: wie wichtig die Partnerschaft zwischen CDU und CSU ist. Als sie sich mitten in ihrer Rede räuspern muss und eine kurze Pause entsteht, brandet Applaus auf. Spätestens hier ist klar: Mit dem Auftritt vor zwei Jahren ist dieser Besuch nicht vergleichbar. Und als sie dann noch erwähnt, dass sie kurz davor sei, die Platte „Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unsere Liebe nicht“ aufzulegen, möchte man ihr das fast glauben.

Zuletzt aber gingen von beiden Seiten Zeichen der Versöhnung aus.

Vor 200 Delegierten soll heute ein Signal der Entschlossenheit und der Geschlossenheit gesetzt werden.

Auch die Tatsache, dass sie anfangs nur spärlichen Applaus für ihre Rede bekommen hatte, brachte die Kanzlerin nicht aus dem Konzept. Als nach 22 Minuten ihre Forderung, mehr für die Gleichberechtigung von städtischem und ländlichen Lebensraum zu tun, bejubelt wurde, fragte sie mit einem Lächeln: „Gab’s grade auf Twitter ein Signal mal zu klatschen?“

Die CSU ist im Aufwind. Nachdem Seehofer quasi zurückgetreten ist, holt die Partei wieder auf. 40 % bei einer Meinungsumfrage – drei Prozentpunkte mehr als vorher. „Söder-Effekt“ (SchulzEffekt), so heißt es bereits. Umgekehrt lässt sich mutmaßen, dass Seehofer die Partei vorher in den Abgrund gerissen hatte.

Söder gilt in der CSU als „Hardliner“, sowohl was die Obergrenze betrifft als auch in anderen offenen Fragen der Zusammenarbeit mit der SPD. Die CDU Angela Merkels hatte sich zuletzt bei den Jamaika-Verhandlungen auffällig gut mit Seehofer verstanden. Söder gilt als Gegner der „Sozialdemokratisierung“ der Union und wird im neuen Jahr das Amt des Ministerpräsidenten in Bayern übernehmen. Seehofer soll Parteivorsitzender bleiben.

Seehofer kämpft

Dennoch kämpft Horst Seehofer offenbar um sein politisches „Überleben“. Bei den Verhandlungen mit der SPD möchte er Söder wohl nicht dabeihaben, heißt es. Die Verhandlungen werden von der Partei geführt, nicht von der bayrischen Regierung. Offen ist, ob Söder sich dies gefallen lässt – stellt es doch eine öffentliche Herabsetzung durch den quasi abgewählten Parteiherrscher dar.

Im kommenden Herbst sind in Bayern Landtagswahlen, und auch die Grünen sollen in den Umfragen bereits um 2 Prozentpunkte zugelegt haben. Eine Koalition mit den Grünen trauen Beobachter Söder allerdings nicht zu. Eher wird ein Zusammengehen mit der FDP vermutet, wie es bereits einmal geschehen ist.

Derweil hat Söder schon einmal die Forderungen der SPD auf Bundesebene kommentiert. Die „Vereinigten Staaten von Europa“, die Schulz fordert, wollte die Mehrheit in Deutschland nicht, so der nächste bayrische Ministerpräsident. Zudem solle die SPD sich im Bereich des Familiennachzugs bei Flüchtenden „bewegen“. Abzuwarten bleibt, ob Söder den starken Mann spielt oder aus Bayern die nächste GroKo torpediert.

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