Trump an Nato-Länder: Wer „vor Russland geschützt“ werden will, soll blechen

Russland-Sanktionen kosteten die EU‑Länder 30 Milliarden Euro

Trump an Nato-Länder: Wer „vor Russland geschützt“ werden will, soll blechen

US-Präsident Donald Trump hat seien Unwillen geäußert, Nato-Staaten zu schützen, die ihre Präsenz in der Allianz nicht bezahlen wollen.

In seiner Rede bei einer Kundgebung im US-Bundesstaat Florida am Freitag (Ortszeit) verwies Trump darauf, er habe beim Nato-Gipfel in diesem Jahr deutlich gesagt, dass die Nato-Länder „zahlen müssen“. Sonst hätten sie nichts in der Allianz zu suchen, so der US-Präsident.

„Ich habe ihnen angedeutet: Falls ihr nicht zahlen werdet, werdet ihr auch nicht hier sein“, sagte er. „Wir haben beispielsweise ein Land, das nicht zahlt, dann beginnt dieses Land mit jemandem anzubändeln — mit Russland? Das Land zahlt nicht, wird aggressiv, und wir finden uns im Dritten Weltkrieg für ein Land wieder, das nicht einmal zahlt“, äußerte er.

Zudem beschrieb er sein Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, von der er eine Erhöhung der Nato-Beiträge durchsetzen wollte: „Wir schützen sie (die Deutschen — Anm. d. Red.) ja, wir haben 40.000 Soldaten in Deutschland, niemand weiß davon!“, betonte er. „Ich sage ihr: ‚Gebt uns doch ein bisschen ‘. Sie sagt: ‚Donald, das wird dem deutschen Volk nicht gefallen‘. Und ich: ‚Weißt du was? Das gefällt dem US-amerikanischen Volk nicht‘“.

Mitte November 2017 hatte Trump darauf verwiesen, dass das nordatlantische Bündnis dank ihm „Abermilliarden von US-Dollar erhalten wird“.

WIFO: Russland-Sanktionen kosteten die EU‑Länder 30 Milliarden Euro

Wien (OTS) – Seit dem Jahr 2014 brachen die EU-Exporte nach Russland um jährlich 15,7 Prozent ein. Bis zu 40 Prozent dieses Rückganges sind auf die Sanktionen zurückzuführen. Russland büßte seinen Platz als viertwichtigster Handelspartner außerhalb der EU ein und liegt im Extra-EU-Handel nun hinter den USA, der Schweiz, China und der Türkei auf dem fünften Rang.

Die Handelsbeziehungen der EU-Länder zu Russland haben durch den wirtschaftlichen Abschwung in Russland und die Sanktionen stark gelitten: In den Jahren 2014 bis 2016 sanken die Exporte nach Russland um jährlich 15,7 Prozent. Betrugen die Exporte der EU nach Russland im Jahr 2013 noch 120 Milliarden Euro, waren es 2016 nur noch 72 Milliarden Euro. Die wechselseitigen Sanktionen zwischen der EU und Russland haben daran einen beträchtlichen Anteil. Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle Studie des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung im Auftrag des Europäischen Parlaments, in der versucht wurde, die durch Sanktionen verursachten Exportrückgänge von anderen Einflussfaktoren (z. B. Ölpreisverfall, Abwertung des Rubels) zu trennen. Auf Basis von Schätzungen des WIFO sind alleine durch die Sanktionen die EU-Exporte nach Russland zwischen 2014 und 2016 um 10,7 Prozent eingebrochen ‑ rund 30 Milliarden Euro. Bis zu 40 Prozent des gesamten Exportrückganges sind somit auf die Sanktionen zurückzuführen.

Besonders stark betroffen sind laut diesen Berechnungen Zypern, wo die Exporte nach Russland aufgrund der Sanktionen in den Jahren 2014 bis 2016 um 34,5 Prozent einbrachen, Griechenland (‑23,2 Prozent) und Kroatien (‑21 Prozent). In Österreich sanken die Exporte nach Russland sanktionsbedingt um 9,5 Prozent, das entspricht rund einer Milliarde Euro. Zu den höchsten absoluten Rückgängen führten die Sanktionen in Deutschland mit einem Minus von 11,1 Milliarden Euro (‑13,4 Prozent), somit trägt Deutschland mehr als ein Drittel des sanktionsbedingten Exportrückganges der EU. Polen und Großbritannien verzeichneten ein Minus von je rund 3 Milliarden Euro (Abbildung 1). Die Schätzungen der Studie weisen auch darauf hin, dass die Sanktionen die Unternehmen im Jahr 2014 am stärksten trafen. In den beiden Folgejahren gelang es ‑ wenn auch nur in geringem Umfang ‑ nach und nach, die Handelsströme in Drittländer umzulenken.

Beträchtlich waren die Einbrüche bei den von den russischen Gegensanktionen betroffenen Agrarprodukten und Nahrungsmitteln. Hier sank das Exportvolumen nach Russland zwischen 2013 und 2016 um 22,5 Prozent (insbesondere betroffen Milchprodukte und Früchte). Die Exporte in der Warenherstellung (vor allem Fahrzeuge) sanken um 17,7 Prozent, die Rohstoffexporte (insbesondere Eisen und Stahl) um rund 15 Prozent.

In den Jahren zuvor waren die Handelsbeziehungen zunehmend enger geworden: Zwischen den Jahren 2009 bis 2012 stiegen die EU-Exporte nach Russland um jährlich durchschnittlich 23,5 Prozent. Im Jahr 2013 war Russland mit einem Exportanteil von 7,7 Prozent der viertgrößte Handelspartner der EU außerhalb der Union ‑ hinter den USA, der Schweiz und China. Russland wiederum lieferte im selben Jahr 42,4 Prozent seiner Exporte an EU-Länder. Seit dem Schwächeln der russischen Wirtschaft und den Sanktionen hat sich das geändert: Im Jahr 2016 lag Russland im Ranking der wichtigsten Extra-EU-Handelspartner mit 4,6 Prozent nur noch auf dem 5. Platz ‑ hinter der Türkei.

Abbildung 1: Sanktionsinduzierte Exportverluste über oder unter dem EU-Durchschnitt 2014/2016 – auf der WIFO-Website (http://www.wifo.ac.at/wwa/pubid/60666)

Technische Anmerkungen

Die Studie des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung im Auftrag des Europäischen Parlaments basiert auf monatlichen UN COMTRADE Daten. In diesem Pressetext wurden im Vergleich zur Studie alle Werte von Dollar auf Euro umgerechnet.

( 1.885 )

Schreibe einen Kommentar