Weil er für seine tote Ex-Frau Rente zahlen muss, sammelt er Flaschen

 Von: Tomas Kittan  BZ

Hans-Joachim Döbler (66) aus Staaken kommt alleine nicht über die Runden. Er muss für seine verstorbene Ex-Frau Hannelore 312 Euro Rente zahlen.

Er hatte sich so auf seine arbeitsfreie Zeit als Pensionär gefreut. Doch inzwischen schuftet Hans-Joachim Döbler aus Staaken täglich, um zu überleben. Denn der 66-Jährige muss für seine verstorbene Ex-Frau noch immer Rente zahlen! Durch das Sammeln von Flaschen hat er gerade noch genug Geld, um nicht zu verhungern.

Schuld ist das unglaubliche „Versorgungsausgleichsgesetz“. Danach muss der besser verdienende Ehepartner dem anderen einen Ausgleich auch über dessen Tod hinaus zahlen. Es geht um Summen von 100 bis über 1000 Euro im Monat!

Gesetz trifft Hans-Joachim Döbler hart

Tausende Männer und Frauen sind deutschlandweit betroffen, Hunderte in Berlin und Brandenburg. Doch kaum einen trifft dieses Gesetz so hart wie Hans-Joachim Döbler: „Bis 2002 war ich mit meiner Hannelore verheiratet. Weil sie eigentlich nie richtig gearbeitet hat, musste ich ihr danach immer einen monatlichen Ausgleich zahlen.“

Das sei zwar sehr ärgerlich, aber das verstehe er, sagt Döbler, der 34 Jahre als Kraftfahrer bei den Berliner Wasserbetrieben arbeitete und nicht so viel verdient hat.

„Doch diese Abzüge von 312,14 Euro im Monat müssten doch mit ihrem Tod am 15. März 2016 automatisch aufhören“, ist er überzeugt. Doch die Deutsche Rentenversicherung zieht ihm das Geld weiter ab. Ganz legal!

Und das mit dramatischen Folgen für ihn. Der alleinstehende Mann bekommt abzüglich der 312,14 Euro für seine verstorbene Frau nur 1.319 Euro Rente, muss davon 680 Euro Miete und 400 Euro für Schulden (in monatlichen Raten) zahlen. Bleiben gerade mal 239 Euro zum Leben. „Das reicht hinten und vorn nicht“, sagt Döbler. „Ich musste mein Auto verkaufen, habe nun nichts Wertvolles mehr. Reisen zur Stieftochter und den beiden Enkeln nach Augsburg kann ich mir nicht leisten.“

Nur das Nötigste einkaufen

Der Rentner könne nur noch in Discountern einkaufen. Und selbst da nur das Nötigste. „Bei mir gibt es jeden Tag Billig-Nudeln. Die Nudeln kommen mir langsam aus den Ohren raus. Doch was soll ich machen?“

Döbler sammelt fast täglich in Staaken leere Pfandflaschen. „Damit komme ich in guten Monaten auf 50 Euro. Ich würde ja auch gern arbeiten.“ Er hat sich in Baumärkten beworben, um auf 400-Euro-Basis aufzuräumen, einzuräumen oder zu fegen. Kein Bedarf!

Dann wollte er bei seinem Wasserbetrieben als Pförtner arbeiten. Doch der Wachschutz sei längst aus der Firma ausgegliedert, heißt es.

Hans-Joachim Döbler fühlt sich am Ende. „Wann kann ich mich endlich mal wieder richtig satt essen? Davon träume ich fast jede Nacht.“ Nun gibt es endlich eine kleine Hoffnung für ihn! Die Berliner Gerichte haben in ersten Urteilen entschieden, dass die Ausgleichszahlungen aufhören. Auch Döbler will jetzt um sein Recht kämpfen!

Quelle:BZ

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