„Willkommen in Syrien mein Freund“: Ein Reisebericht aus Damaskus – „Es ist ganz anders als von den Medien berichtet“

Im Oktober 2017 hatte ich das Glück, ein 10-tägiges Touristenvisum für Syrien zu erhalten. Freunde und Familie warfen mir vor, ich müsse verrückt sein, Syrien besuchen zu wollen. Sie fragten mich, ob ich einen Todeswunsch hätte. Jeder weiß, dass dort ein grausamer Krieg geführt wird, der in sein siebtes Jahr geht. Die Leute, denen ich von meinen Plänen erzählte, sagten alle, dass die Chance Syrien zu betreten gleich 0 wäre. Sollte ich es doch schaffen hineinzugelangen, würde ich höchstwahrscheinlich sterben oder entführt werden.

Um ein Visum für Syrien zu erhalten, muss man eine Empfehlung von jemandem mit Kontakten innerhalb des Landes erhalten, einige Formulare ausfüllen, etwa 9-10 Wochen warten und beten, dass man akzeptiert wird. Viele Leute fragen um ein Visum an, die meisten erhalten aber keine Antwort.

Als es mir schließlich gelang, ein Touristenvisum für Syrien zu bekommen, buchte ich den ersten möglichen Flug nach Beirut, der Hauptstadt des Libanon, da es derzeit keine Flüge nach Syrien gibt. Während der 10 Tage reiste ich durch Syrien – ich besuchte Damaskus, Aleppo, Homs mit seiner schönen Landschaft und die Mittelmeerküste, bevor ich zurück in den Libanon fuhr. Dort trat ich dann wieder meinen Rückflug nach Europa an.

Ich ging aufgeschlossen und ohne jeglichen politischen Absichten nach Syrien.

Ich verließ mein Hotel in Beirut am Nachmittag mit einem Sammeltaxi in Richtung Damaskus. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich nicht begeistert von meiner Reise nach Syrien war. Die Strecke zwischen den beiden Hauptstädten ist nicht länger als 120 km. Eine Reise, die früher vor dem Krieg einschließlich Einwanderungsverfahren nur etwa 2 Stunden dauerte. Unter den derzeitigen Umständen freute ich mich, überhaupt über die Grenze und nach Syrien zu gelangen.

Beirut zu verlassen, erwies sich als der zeitaufwendigste Abschnitt meiner Reise nach Damaskus, da ich beim Verlassen des Stadtzentrums im berüchtigten Beiruter Verkehr stecken blieb. Als ich das Immigrationsbüro auf der libanesischen Seite der Grenze betrat, bemerkte ich schon früh, dass ich selbst und die 5 anderen Westler, mit denen ich unterwegs war, nicht die einzigen Ausländer waren, die die Grenze überquerten. Es gab weitere 9 Europäer zusammen mit den Dutzenden von Einheimischen, die den Libanon zur gleichen Zeit wie ich verließen (die Grenze ist rund um die Uhr geöffnet). Das Verlassen des Libanon dauerte nur wenige Minuten.

Das erste, was mir beim Betreten der syrischen Seite der Grenze auffiel, war, wie organisiert und ruhig alles war. Die Leute stehen Schlange. Es gibt keine Soldaten in der Nähe und nur wenige freundliche Grenzsoldaten. Um es kurz zu machen, die Einwanderung auf syrischer Seite dauerte nur etwa 20 Minuten, bevor ich ins Land gestempelt wurde und bereit war zu gehen. Ich bin gerade rechtzeitig in Syrien eingetroffen, um den Aufruf der Moscheen zum Gebet aus der Ferne zu hören.

Wenn man die Grenze verlässt, um Richtung Damaskus zu fahren, gibt es einige militärische Kontrollpunkte, die man passieren muss. Auf keinem gab es Probleme und jeder einzelne Soldat begrüßte mich und meine Freunde mit einem breiten Lächeln, einem Händedruck und einem „Welcome to Syria My Friend“ – also „Willkommen in Syrien mein Freund“.

Das Erste, was man bei der Ankunft in Damaskus bemerkt, ist das Leben auf der Straße – Händchen haltende Paare, überall geöffnete Geschäfte und Schawarma-Stände neben Tee- und Kaffeestuben. Die Straßen sind im Allgemeinen wie in jedem anderen Land voller Menschen. Es gibt keine Anzeichen für einen Krieg, außer den wenigen entspannten Soldaten, die hier und da an einer Straßenecke sitzen.

Ich ging nur für ein schnelles Abendessen und ein Bier in ein traditionelles Restaurant voller Leute, bevor ich ins Bett ging. Ich wollte ausgeruht und früh aufstehen, um am nächsten Morgen die Straßen von Damaskus zu erkunden. Nachdem ich früh aufwachte, um durch die älteste Stadt der Welt zu spazieren, verließ ich mein Hotel in der Altstadt und merkte schnell den Geruch von frischem Brot. Der Milchmann ist mit dem Fahrrad unterwegs, um Milch durch die alten engen Gassen zu bringen, und die Obst- und Gemüsestände sind voll von frischem Obst und Gemüse.

Damaskus wurde zwischen 10.000 und 8.000 v. Chr. gegründet und gilt als die älteste kontinuierlich bewohnte Stadt der Welt.

Wenn man durch die Altstadt spaziert, fragt man sich, ob es überhaupt einen Krieg gibt. Die Stadt ist absolut unbeschadet. Alle Geschäfte sind geöffnet und die Straßen sind voller Leben. Es gibt ein paar militärische Stützpunkte hier und da, aber man bemerkt sie nicht wirklich. Auch hier sind die Soldaten froh, Touristen zu sehen. Die Ladenbesitzer sind überglücklich, wenn sie sehen, dass es wieder Touristen in der Stadt gibt.

Quelle: ET

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